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Wie wichtig ist eine Signatur für Choreografen?

  • 19. Feb. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Heute wird im Zeitgenössischen Tanz viel mit Improvisation und Recherche gearbeitet. Dabei entsteht oft eine Mischung aus verschiedenen Bewegungsqualitäten, Mustern und stilistischen Zitaten. Die Durchmischung vieler Mitwirkenden kann den Wiedererkennungswert verringern. Es ist schon interessant, wie sich die verschiedenen Tänzerpersönlichkeiten zusammenwürfeln und wie das dann zu neuen Konstellationen und Vokabular führt. Das Ganze ist dann aber immer wieder anders, weil es sich bei jeder Drehung verändert. Es ist wie bei einem Kaleidoskop. Aber genau das ist es, was den Reiz ausmacht. Wenn man als Choreograf, Tänzer oder Betrachter dabei etwas über Ästhetik, Aussage und Wirkung lernen will, dann muss man sich auf das Abenteuer einlassen.Ich finde es total spannend, wenn ich als Zuschauer eine Handschrift oder einen Stil erkennen kann. Es ist wie eine lebendige Signatur, die sich weiterentwickeln darf und muss. Denn jeder soll und darf sich immer wieder neu herausfordern. Jeder soll seine Arbeit hinterfragen und revidieren können.

Die Referenzen bleiben dennoch spürbar und das Handwerk sichtbar. Das ist ein langwieriger Prozess.

Und ich habe das Gefühl, dass viele heutige Choreografen diesen Prozess scheuen. Sei es aus Zeitmangel, Bequemlichkeit oder weil "copy & paste" heutzutage machbar und fast schon legal ist.

Sie orientieren sich stark an berühmten Choreografen wie Forsythe, Ek, Kylian, Naharin oder Bausch. Dabei verlieren sie aber ihre eigene Handschrift. Sie laufen einem bestimmten Schönheitsideal und dem aktuellen Hype hinterher, anstatt ihrer eigenen Kreativität zu vertrauen.

Fazit:  Analyse ist gut. Reflexion ist wichtig. Es ist eine elementare und dauerhafte Aufgabe, seinen eigenen Stil zu finden, um sich von der Masse abzugrenzen.Wenn sich das ständig ändert und der Choreograf das nicht bewusst macht, dann wird man die künstlerische Arbeit selten mit einer Person in Verbindung bringen können. Entweder wird sie dann über dramaturgische oder Regie-technische Eingriffe in bestimmte Bahnen gelenkt, die auch einen Art Wiedererkennungswert besitzen, oder sie wird nicht vom Choreografen eingesetzt.

Wenn man sich das Gesehene bewusst macht, kann man es besser interpretieren und auch mit anderen Werken vergleichen. So kann man klarer, fokussierter und schneller in einen Dialog treten.



 
 
 

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