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Was mir so durch den Kopf geht #17

  • info555080
  • 22. Sept. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

ABGETAUCHT


Ihr kennt das bestimmt, wenn man einfach mal verschwinden möchte, von nichts und niemandem erreichbar ist und sagen kann: „Ich bin dann mal weg!". Einfach abtauchen. Ohne zu wissen, wann man wieder auftauchen möchte oder womöglich wieder auftauchen muss.


Momentan befinde ich mich in einer beinahe „heimatlosen" Situation. Nichts Dramatisches und schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass es ein simpler Umzug von A nach B ist (nicht einmal 8km Luftlinie), der sich etwas in die Länge gezogen hat und sowohl für mich, als auch für meinen Partner (und besonders meinen Hund) ein größerer Einschnitt im Leben ist. Die Veränderung ist weder berufsbedingt, noch aus irgendwelchen pekuniären oder gar wohnrechtlichen Gründen. Es ist das Alter, der Aufwand, ein ganzes Haus samt Garten zu versorgen, und das Wissen, dass es nicht weniger werden wird. Also sorgen wir vor. Und haben nach einer stressfreien Suche genau das Objekt gefunden, das zu uns passt. Was für viele Menschen in Großstädten eine meist ewige Suche und dann plötzlich prekäre und unter Zeitdruck stehende Situation darstellt, die einen selten zu wirklich guten oder gar überzeugenden Handlungen oder Entscheidungen drängt, konnten wir anders lösen. Wir haben uns freiwillig entschieden, aus dem Haus auf dem Land auszuziehen und in eine Wohnung in die Stadt überzusiedeln. Wir haben das gefunden, wovon wir annehmen, dass wir uns wohlfühlen und wo wir mit all dem Ambiente, Stil und Einrichtungsgeschick (wie im Haus) uns einbringen können und eine neue Bleibe erschaffen, in der wir gerne (auch auf lange Zeit hin) leben und dort Zeit verbringen möchten. Mit weniger Aufwand, weniger Verantwortung und trotzdem mit der Option, schnell in die Stadtmitte zu gelangen, die Natur um die Ecke zu haben und die Sonne bis spät abends noch auf der Terrasse genießen zu dürfen.


Das „Alte" aufzulösen und das „Neue" zu begrüßen, klingt wie eine Silvesternacht und das Erwachen am nächsten Morgen mit dem Wissen, dass alles mit dem 01.01. beginnt. Die allererste Version des neuen Jahres. Und es braucht jedes Jahr Zeit, sich an die neuen Zahlen zu gewöhnen, sich in dieser neuen Ära zurecht zu finden. Und irgendwann ist alles normal, das vergangene Jahr ad acta gelegt, und man kann gar nicht mehr ganz genau sagen, ob das vergangene Jahr schlechter, besser oder irgendwie wie alle Jahre zuvor verlaufen ist.


Nun, momentan befinde ich mich in einem Transitions-Raum. So wie an einem Flughafen, wo man hinter der Passkontrolle in einem seltsamen Lebensraum herumlungert, keinen Rhythmus besitzt, auf den Aufruf des Fluges wartet, keine wirklichen Essenszeiten hat und ruhelos auf Wartebänken herumrutscht. Selbst der Flug ist seiner Zeit beraubt. Man schwebt in Erwartungen über den Wolken, entweder der Sonne entgegen oder eilt ihr voraus. Alles verschiebt sich, und man braucht nach der Landung ein paar Tage, um sich zu sortieren, anzukommen und dabei sich selber wieder zu finden.


Im Haus stehen noch einzelne Teile, Möbel, Kleinstzeug, und obwohl so vieles dort nicht mehr existiert, klingt dort noch immer eine vertraute Melodie durch die leer gefegten Räume, treibt einem die Tränen in die Augen. Lässt einen innehalten, vergegenwärtigen, dass dieses Haus auch viel Energie und Zeit gekostet hat. Zeit und Energie, die ich (und mein Partner) im aktuellen Abschnitt meines Lebens anders verbringen möchte. Und es wird sich nicht großartig ändern, sondern eher intensiver werden. Das Bedürfnis, sich zu reduzieren und überschaubarer zu wohnen, zu leben. Demnächst wird das Haus von neuen Seelen belebt und erlebt.


Für mich ist klar, dass nach 15 Jahren nun ein neues Kapitel beginnt. Und ich bin froh, dass auch meine Arbeitssituation ein neues Kapitel schreiben wird. Und vielleicht ist es gerade dieser Zeitraum seit dem Frühjahr bis Ende August hinein, dieses Losgelöstsein und die Möglichkeit, sich voll und ganz auf diesen Übergang – besser Zäsur – einzulassen. Auch wenn sie etwas schmerzlich ist, viel Koordination, Geduld und Kompromissbereitschaft mit sich gebracht hat, empfinde ich es dennoch nicht, als opfere ich etwas, sondern im Gegenteil, gewinne ich etwas dazu:

Ein erfrischendes Lebensgefühl, der Reiz des Neuen, der Fokus auf das Wesentliche und mehr Zeit für mich, für uns.


Ob ich wirklich abgetaucht bin, kann ich nicht sagen, zumindest fühlte es sich zum Teil so an, da ich meinen „Verpflichtungen" und Routinen in Bezug auf meinen Newsletter, Social Media-Auftritte und die Pflege des Kontakts mit Freunden und Kollegen in den letzten Monaten sehr eingeschränkt habe.

Aber die Zeiten werden sich ändern, und spätestens ab September, wenn Rhythmus und Routine wieder mehr Gestalt annehmen, werde ich meine Ziele und Prioritäten neu definieren können.


Aktuell lebe ich von Tag zu Tag, denn jeder verläuft komplett anders. Meist nicht vorhersehbar: auspacken, einräumen, umräumen, abräumen, wegwerfen, liegenlassen, doch wegwerfen, behalten, sortieren, einpacken, weggeben, verschenken, hoffentlich nicht zu viel Neues wieder bekommen, ruhen, in Ruhe gelassen werden, ausräumen, einräumen, umräumen, anders hinstellen, gelassen bleiben ...


Jochen, herzlich

 
 
 

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