Was mir gerade so durch den Kopf geht #35
- vor 7 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
"50. Newsletter"
Fünfzig Newsletter. Fünfzig Mal Gedanken sortiert, Erfahrungen destilliert, Beobachtungen festgehalten. Fünfzig Mal die Frage: Was beschäftigt mich gerade? Was will ich teilen?
Und jetzt, bei Nummer 50, schaue ich in den Spiegel und sehe: Zeit. Sie hat sich nicht nur in den Texten niedergeschlagen, sondern auch anderswo. Direkt unter meinen Augen, um genau zu sein.
Also: ein Monolog über das Sichtbare und das, was wirklich zählt.
LOOK AT ME!
ein MONOLOG
Schau mich an.
Ja, schau mich an!
Es gab diesen Tag, an dem ich in den Spiegel geschaut habe und das da erblickte.
Unter den Augen.
Diese Maden.
Dick und weiß.
Oder soll ich sie verpuppende Raupen betiteln.
Klingt weniger Angst einflößend.
Als ob sich das Alter unter meine Augen geschlichen hat. Klammheimlich über Nacht.
Ja, schau hin.
Ich habe nachgelesen, okay, gegoogelt, was man dagegen machen kann ... als Mann.
Ich habe daran herum gedrückt, Gurken aufgelegt, mit Eispads maltretiert, bis mir Schneekristalle vor den Augen erschienen sind.
Die Maden, diese dicken und weißen Raupen mit Salben und Cremes beklopft und allerlei mehr veranstaltet.
Ich hatte sogar das Gefühl, dass es besser geworden ist.
Und dann dieses eine Foto.
Dieser Schnappschuss.
Und nein, es lag nicht am Licht.
Und nein, ich habe nicht schlecht geschlafen.
Es war die Wahrheit. Direkt vor, nein besser, unter meinen Augen. Das Alter.
Und es entpuppt sich als eine Offenbarung.
Wie sagte einst eine renommierte Choreografin zu uns, da stand ich am Anfang meiner tänzerisch professionellen Laufbahn:
„You are staring into the mirror and life is passing by."
Natürlich könnte ich hervorheben, dass man nur so alt ist, wie man sich fühlt.
Dass möglicherweise mein Zellenalter schmeichelhafter ist, als diese klobigen Monster unter meiner Haut, direkt unter meinen Augen, zu erzählen versuchen.
Fake News!
Nein, ich bin bald 58 Jahre alt, gehe auf die Sechzig zu.
Und bitte: Nenn mich ruhig OPA!
Aber halt. Wie sieht man denn „ab einem gewissen Alter" aus?
Es geht doch um ganz andere Werte.
Oder machen wir uns etwas vor?
Lassen uns von Bildern, Normen, Erwartungen täuschen?
Ja, schau mich an. So what?!
Die Raupen schleichen zeitweise davon, verkriechen sich in irgendwelchen Schlupfwinkeln.
Auch wenn sie plötzlich wieder auftauchen – es sagt nichts über meine Stimmung, meine Gefühle, mein Ich aus.
Es sind Äußerlichkeiten, denen ich nicht genügend Gewicht zukommen lasse.
Denn der Spiegel ist keine Reflexion meines inneren Zustandes, repräsentiert nicht meine Kraft, meine Visionen oder gar Wünsche.
Es ist eine Momentaufnahme. Basta!
Was einmal aus der Raupe wird, weiß sowieso keiner.
Vielleicht ein silbrig, pudriger Nachtschwärmer...
Kommentare